

Achimer Kurier 15.März 2006
Die Leichtigkeit des Schweren
„Oskar und die Dame in Rosa“ als Theaterstück
von unserem Mitarbeiter Hans-Dieter Mahlstedt
ACHIM. Seit seinem Erscheinen auf dem literarischen Parkett bewegt „Oskar“ die Herzen der Leser. Nicht von ungefähr ist der Blaue Saal im Kulturhaus Alter Schützenhof voll besetzt gewesen, als das Theater Metronom jetzt eine Theaterfassung des Romans „Oskar und die Dame in Rosa“ des Franzosen Eric-Emmanuel Schmitt auf die Bühne gebracht hat.
Buch und Stück erzählen die ergreifende Geschichte der letzten Tage des kleinen Oskar. Der leukämiekranke Junge verbringt sie im Krankenhaus, begleitet von seiner Oma Rosa. Allein gelassen von seinen Eltern, die außerstande sind, sich den Fragen des aufgeweckten Jungen zu stellen und über seinen Tod zu sprechen, ist sie diejenige, deren Lebensklugheit ihm einen Weg weist.
Karin Schröder ist Oma Rosa und Karin Schröder ist Oskar. Sie spielt auch alle anderen Personen in diesem Stück, das sich mit umwerfender Komik den abschließenden Fragen des Lebens stellt. Mit einem Krankenhausbett als einziger Requisite glänzt die Schauspielerin auf einer Achterbahnfahrt der Gefühle zwischen Lachen und Beklommenheit.
Als Oma Rosa betritt Karin Schröder die Bühne – als eine virile Alte voll unbeugsamer Kraft und Lebensenergie nimmt sie ohne jede Resignation das Ende vorweg: “Der kleine Junge ist tot und ich werde weiterhin eine Frau in Rosa sein.“ Dann schlüpft sie in die Rolle des Oskar, in sein Leben auf der Krankenstation, wo er hin und hergerissen zwischen Frust und Lust mit der Einsamkeit kämpft. Oskar ist ein höchst aufgewecktes Kind, das unter der Unfähigkeit seiner Umgebung leidet, der Wahrheit über seinen Zustand ins Auge zu sehen.
Seine Fragen bleiben unbeantwortet, sein Zwiegespräch mit Gott als möglichen Retter halbherzig und eher ungläubig. Seine Eltern bezeichnet Oskar als Feiglinge und auch seine Mitpatienten strapazieren seine Nerven. Da ist „Einstein“ mit dem Wasserkopf und der fresssüchtige „Popcorn“, deren Einfalt den Wissbegierigen beuteln. Allein „Peggy Blue“, so genannt nach ihrer blauen Hautfarbe, die von einer Herzkrankheit rührt, hat seine Sympathie und vermag seinen Beschützerinstinkt zu wecken.
Oma Rosa weiß Rat: Lebe jeden Tag so, als wären es zehn Jahre.“ Fortan durchlebt Oskar ein ganzes Leben mit seinen prägenden Entwicklungsstufen. Von der pubertären Erfahrungen mit der lüsternen jungen Mitpatientin Sandrine über die Liebe und Ehe mit Peggy Blue bis hin zu Midlife-Crisis und Alter führt der Weg, den Oma Rosa mit ihren lebensklugen Kommentaren begleitet.
Urkomisch ist dieses Tandem, das von gegenseitiger Wechselwirkung lebt. Oskar, das Kind mit der staunenden Weltsicht, weiß viel von den Mechanismen des Lebens, während Oma Rosa die Unbekümmertheit der Jugend bewahrt hat. Immer wieder leistet sie praktische Lebenshilfe. Gerne greift sie dabei auf ihre Erfahrungen als Profi-Catcherin zurück, wo sie als „Würgerin von Languedoc“ Furore gemacht hat. Ihre kampferprobten Techniken gelten Oskar als Anschauungsmaterial zur Bewältigung der Krisen seines Eiltempodaseins.
So entsteht im Angesicht des Todes am Beispiel des Lebens ein philosophisches Panorama voller Esprit uns Kurzweil. Ein Plädoyer für jeden Augenblick des Daseins und die lohnende Investition in die Lebensfreude. Karin Schröder glänzt in der Soloperformance unter der Regie von Andreas Goehrt als vielsichtige Schauspielerin. Wie ein Phantom irrlichtert sie im Wechselspiel der Charaktere. Im Mosaik der Stimmen und Dialoge hat sie immer das Ganze im Auge und die Fäden in der Hand. Das Publikum honorierte ihre große Leistung mit Ovationen.
Kultur Regional Neustadt 19.6.2008
HOFFNUNGSVOLLE LIEBESERKLÄRUNG
AN DAS LEBEN
„Theater Metronom gastiert mir Erik-Emmanuel Schmitt „Oskar und die Dame in Rosa“ im Saalbau in Neustadt
.... Die schauspielerische Leistung Karin Schroeders im Ein-Personenstück beeindruckt durch die Vielseitigkeit. Sensibilität und ausdrucksvolle Freude am Spiel. Hinreißend natürlich wirkt sie als „Oma Rosa“ sowie als Oskar, verwandelt sich durch Haltung und Gestik von der gescheiten munteren alten Dame in den zehnjährigen Jungen, der durch den Beistand auflebt. Dank ihrer großen Überzeugungskraft entsteht eine imaginäre zweite Ebene über dem schneidend klaren Bild der Realität – mit blendend weißen Krankenbett vor schwarzem Hintergrund...
Göttinger Tageblatt 27.6.2008
Anrührend und mitreißend
Domino-Theaterfest: Würdevolles Sterben und wildes Abenteuer
Von Peter Krüger-Lenz
... Als Oma Rosa kommt Schroeder auf die Bühne, eine etwas ungelenke ältere Dame . Schnell verwandelt sie sich in Oskar, der rumspringt und erstaunliche Fragen stellt. Der Schauspielerin gelingt dieser Übergang erstaunlich reibungslos. In den folgenden 80 Minuten erzählt sie die emotionale Geschichte vom würdevollen Sterben mit viel Größe und Charme. Ihr Oskar ist wissbegierig und unternehmungslustig, ein wenig wiederborstig und sehr clever. Schroeder gelingt es, all diese Facetten mit ganz wenigen Mitteln sehr klar zu zeichnen. Man gewinnt sie lieb, diesen Oskar und seine kluge Oma Rosa. Ein anrührender Auftakt des Festivals.... September 2008
Programmheft 2008
Courage - Spurensuche
Begründung des Patentheaters
„In einer kraftvollen Darstellung bringt Karin Schroeder alle Figuren der Geschichte mit großer Leichtigkeit und Spielfreude auf die Bühne. Die einfache wie sinnfällige Verwandlung zwischen den beiden Hauptfiguren gehört dabei zu den schönsten Momenten, die wir im Theater erleben dürfen. Inszenierung und Spiel nähern sich dem schwierigen Thema ohne Pathos, schaffen es den Zuschauer zu berühren, ohne rührig zu sein und hinterlassen ihn mit einer gestärkten Lust auf das Leben.“
Theater Marabu
Theater der Zeit /IXYPSSILONZETT Dezember 2008
Erzählt gespielt oder gespielt erzählt
Über ausgewählte Aufführungen der Spurensuche 9 in Potsdam und Berlin
Von Annett Israel
...Wie eine Schauspielerin einen Roman erzählt und dabei alle Figuren herbeizitiert, das erleben wir in Oskar und die Dame in Rosa“ von Erik-Emmanuel Schmitt, in der Aufführung des Theaters Metronom aus Visselhövede unter der Regie von Andreas Goehrt: Eine weiße Spielfläche, ein übergroßes Krankenbett, ein Rollator, ein Kleiderständer. Eine alte Frau im rosa Kittel tritt auf, sammelt die auf der Bühne verstreuten Briefe ein, erinnert sich an die Beziehung zu Oskar, dem zehnjährigen Jungen der an Leukämie erkrankte und nun tot ist. Dann beginnt sie zu laufen. Eine heiter treibende Musik trägt sie. Runde um Runde erleben wir eine Verwandlung, bei der sie sich des Kittels und der Perücke am Kleiderständer entledigt, ihr Körper sich strafft und verjüngt. Am Bett angekommen ist Oskar, der seine Mütze über den kahlen Schädel zieht. Es ist eine Geschichte über Tod, Sprachlosigkeit, über Ängste und gewaltige Lebensfreude. Karin Schroeder zeigt uns, wie der Junge im Zeitraffer von nur 12 Tagen seine Pubertät, seine erste Liebe, Eifersucht, eine Midlife-Crisis und sein Alter mit den anderen Figuren durchlebt. Sie spielt in Brüchen, beherrscht den rasanten Wechsel der Erzählebenen und – perspektiven, setzt mit Körperhaltung und Gesten Zeichen für die verschiedenen Figuren....